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Proseccoregelung

Rebellion in Italien: Prosecco DOCG

Wer kennt "ihn" nicht, den fröhlichen Schäumer aus Italien. Nach dem Siegeszug des "Asti" in den 60ern des letzten Jahrhunderts begann der Prosecco ab 1990 seinen übernationalen Durchbruch als Schaumwein.

Zur Erklärung: Prosecco (= "für Trockenes") ist eine weiße Traubensorte in der Region zwischen Valdobbiadene und Conegliano. Im Altertum als "Vinum Pucinum" bekannt und immer nur für einfache, stille Weine verwendet. Über die Herkunft dieser Rebe darf spekuliert werden. Teils meint man, sie käme aus dem gleichnamigen Dorf in Friaul, wo diese Traubensorte "Glera" (Grela) genannt wird. Auch der berühmte Wein "Prosecc" aus Dalmatien gibt zu denken. Als frostharter "Überlebender" der Frostjahre am Ende des 18. Jahrhunderts wurde er erst zum Liebling der Winzer in dieser Region. Gekeltert wurde einfacher, leichter, rescher Stillwein, sozusagen der "Haustrunk" des Distriktes.

Erst Antonio Carpere mit seinen Partnern begann nach dem Vorbild Champagner mit der Sektproduktion. 
Aus den Champagnerträumen wurde zwar nichts, aber viel später doch ein "Life-Style-Getränk". Über die Nobelbars der italienischen Städte schwappte der junge Prosecco-Kult über alle Grenzen. Ihn zu trinken, hieß jung zu sein. Schon "Betagte" nannten ihn den "Sex des Alters"! Damit wurde er zum Selbstläufer eines Erfolges. (Auch im "Schuh des Manitus" wurde Prosecco freudig ausgedient.) 

Das Weingebiet zwischen Valdobbiadene und Conegliano (ein altes Kulturland mit Geschichte, mit geologisch interessantem Terroir der Gletscherendmoränen vergangener Eiszeiten) ist mit dieser Rebsorte und den klimatischen Bedingungen an den Ausläufern der Alpen, bestens geeignet für "Sektgrundwein"! Die sehr mühevolle Champagner-Flaschengärmethode wurde ersetzt durch die "Charmat-Methode", der Zweitvergärung im Großtank (bis zu 100 000 Liter). Dem fertigen Prosecco-Wein wird Zucker und Hefe im Drucktank zugesetzt und nach der nun 2. Gärung gezielt am sensorischen Höhepunkt durch Kühlung abgestoppt. Jung in die Flasche gefüllt, garantiert das eine charmante Fruchtigkeit. Das mag man eben.

Für den Kenner ist natürlich der Stillwein ohne Perlen (Prosecco tranquillo) genauso interessant wie der Prosecco frizzante, der so ca. unter 2,5b CO2 Junendruck durch die Hefetätigkeit liegt. Voll trendig zeigt sich heute der Prosecco spurmante - über 3b - der seine ganzen Stärken ausspielt. Der Überkult aber lebt im Prosecco Cartizze, einer Lagenqualität von ca. 100ha. Süßlich, kultig für runde 35 Euro/Flasche zu haben.

Jeder Erfolg zieht Nachahmer im Schlepptau mit. So auch hier. Wichtig für den Konsumenten war nur das Wort Prosecco, und nicht die Herkunft. Rundum wurde falsificiert und um teilweise 99 Cent verschlendert. Die Proseccowinzer haben sich zwar geärgert, aber konnten lange nicht ändern. Ein Winzer im Bergweingebiet aber denkt gründlich nach und reagiert klug und nachhaltig.

So auch im vergangenen Jahr: Der Traubenname Prosecco wurde zur "Ur-Region" und mit DOCG geschützt. Die Traube heißt nun Glera (wie Friaul!) und somit kann sich der Genießer nun am "echten Prickler" erfreuen, wenn die Sorte Glera, die Region Prosecco und die Garantie DOCG am Etikett stehen. (ITG, DOS oder Prosecco alleine ist nun zu wenig!) Damit ist nun eine Art Gerechtigkeit für die Regionswinzer mit ihren erschwerten Produktionsbedingungen entstanden. Das muss allerdings laut hinausposaunt werden, um dem Billigprodukt aus dem Faß beim Billigwirten nicht auf den Leim zu gehen. Ohne Herkunft schmeckt es halt nicht so gut!

Wenn man einen Schönheitswettbewerb zwischen der Champagne und dem Proseccogebiet inszenieren wollte, würde letzteres wohl gewinnen. Eine wirklich bezaubernde Landschaft mit "spinnwebenartig" besetzten Rebhängen, mit herrlicher Kulinarik zum lokalen Schäumer, mit faszinierenden Weingütern und gastronomischen Philosophen. Ein Grund hinzureisen und Gerla DOCG zu trinken.

 

Mit lieben Grüßen

Roland Großinger

 

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