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Alarm im Weinbau

Im Rahmen einer Weinverkostung in Leoben wurde nach der Diskussion über einen Neuburger aus der Wachau die Parole ausgegeben: "Leute, bunkert Neuburger! Wer weiß wie lange es ihn noch gibt!"

Was ist da los? Nun, es gibt ein neues Krankheitsbild bei dieser Rebsorte. Aus den Rebstöcken werden "Bonsais", kurztriebig, engknotig mit Mini-Gescheinen aber wirtschaftlich unbrauchbar! Da das schon über Jahre so geht, wird Neuburger gerodet und verabschiedet sich aus der Sortenlandschaft, vor allem in der Wachau. Dabei hat dieser Liebling der "Spitzer-Grafenwinzer" eine so schöne Findlings-Legende. Am Donauufer bei Arnsdorf gibt es ein Denkmal über den Zufallsfund von 1860.
Trotz Wissenschaft und Forschung tappt man über die Ursache noch im "Reb-Dunkel". Derzeit gibt es nur Spekulationen zu diesem Problem. Geisenheim im Rheingau kennt das Schadbild nicht (Neuburger existiert ja nur am Etikett mancher Österreichischer Importflasche) und tippt auf Virose oder Pilzkrankheit. Durch den Klimawandel kommen nun eben neue Krankheiten daher. Es "könnte" auch der Pilz EUTYPA sein, vermutet man ferndiagnostisch in der Rebzucht dort.
Als "transwort österreichischer Reben" ging die Klosterneuburger Weinbauschule natürlich schon weiter. Verosen an befallenen Stöcken konnten bis dato nicht nachgewiesen werden. Auch ein angenommenes Nährstoffedefizit oder ein Missverhältnis solcher, war nicht erweisbar. Versuche mit Wachstumshormonen brachten auch kein Ergebnis.
Also wird rein theoretisch weiter spekuliert. Dass ein Rebstock auf einmal ein "Liliputaner" wird im Austrieb hat halt doch mit pflanzeneigenen Wachstumshormonen bzw. mit diesen Hemmungen zu tun. Ob hier Überfrachtung aus dem Pflanzenschutz, Extremsituationen von Klimaschwankungen (heiß/kalt und trocken/nass), eventuell auch Insekten mit Krankheitsübertragung oder einfach Monokultur-Rebmüdigkeit vorliegt ist nur multikausales Denken beim "Wissen, dass wir nichts wissen".
Am ehesten eingearbeitet in diese Problematik zeigt sich Dr. Regner vom Goetzhof/Rebzuechtung/Klosterneuburg. Er schließt aus den Gegebenheiten beim Neuburger auf eine "Genetische Degeneration" besonders bei alten Rebstöcken dieser alten K&K-Sorte.
 
Phytohormonversuche mit Gibberelinen brachten ja wirklich keine Problemlösungsansätze. Virosen sind bald dort und da beteiligt, aber eindeutig sind auch die nicht die Ursache. Oft aber greifen Viren bei Reb-Stress durch Kalt/Heiss oder Trocken/Nass usw. die "Hardware der Zellen" an. Das Übergreifen von Krankheiten auf andere Sorten kann so erklärbar werden.
 
Dr. Regners Vermutung ist, dass man dem "sexuell leicht frustrierten Neuburger" dieses Verrieseln a la long wegselektioniert hat und diese Wachstumsschwäche & Co dabei unbeachtet eingeheimst hat.
 
Klosterneuburg versucht sich in der Vermehrung gesunder Reben aus befallenen Anlagen. Aber das dauert und ist im höherem Alter des Rebstockes auch noch keine Garantie.
(Genmanipulation im Genom des Neuburgers ist praktisch aussichtslos, weil man erst den "Ort des manipulativen Zugriffs" finden muss. Und dann würde der Konsument womöglich als Käufer ausscheiden. Wer will schon manipulierten Wein trinken?)

Da es vorläufig erst beim Neuburger beobachtbar war, sieht man nun aber auch schon gleiche Schadbilder bei Weißburgunder und auch Grünen Veltliner. Das verheißt nichts Gutes, denn dann könnte dieses Problem auch epidemisch werden.
Umgekehrt bemerkt ein Winzer in Spitz, dass sich ein Riesling mit "Kurztriebigkeit" im Folgejahr wieder kuriert hatte. Das wäre ein Beweis, dass doch kein virus am nekrophilen Werk ist.

Hoffen wir das Beste und "bunkern" wir zur Vorsicht diese Weine!

mlG

Roland Großinger

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Atlas der Traubensorten, Weinpanorama



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