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ALLES MARILLE - AUF IN DIE WACHAU

Ausnahmsweise aber nicht wegen der guten Weine von diesen Rieden, sondern gerade jetzt wegen der Marille.
Die Wachau von Spitz donauaufwärts hat nun einen eigenartigen orangen "Glanz" zwischen dem Grün der Obstgärten.
Der "armenische Apfel" - der berühmteste Einwanderer aus China - zeigt sich verführerisch reif.


Copyright Bild: Weinhof Aufreiter (www.weinhof.at)

Ein globaler Weitwanderer!

Verfolgt man die Herkunft dieser Frucht, so muss man weit im Orient beginnen. Nicht Armenien, sondern China in der Mandschurei kannte die Frucht "Sing" schon 2000 Jahre vor Christus. Die Verbreitung nach Westen war nicht aufzuhalten und Araber, Griechen und Römer brachten sie auch in unsere europäisch geeigneten Regionen. Die Römer nannten sie "PRAECOCIUM"; die Griechen sprachen von "MAILON".
Allgemein war die Marille hier bei uns noch als Frühpfirsich im Umlauf. Erst im 16. Jhd. taucht der Name Morling in Österreich auf, woraus sich ev. phonetisch die "MARILLE" ableiten lässt.

Die Heimat Wachau!

 

 

 

 

 



Copyright Bild: Donau Niederösterreich / Othmar Bramberger

Die Marille war noch vor der Kulturrebe in der Wachau, beides ist den Römern zu verdanken. Als Obst diente sie dem Selbstversorgertum, während der Weinbau mit seinen Terassen nach Karl dem Großen erst ab ca. 1000 n.Ch. im größeren Stil durch die Klöster begann.

Das hier herrschende Klima mit seinen kühlen Nächten - eine "Veratmungsbremse" - ist nicht nur der Traube sehr zuträglich, sondern auch der Aromatik des Edelobstes. Zusammen mit den lokalen geologischen Gegebenheiten der Urgesteins- und Schwemmlandböden nahe der Donau ergibt sich eine europäisch geschützte Besonderheit, die nur hier zu diesem unverwechselbaren Qualitätsprofil wächst. Geruchsprobe bei jeder Supermarktaprikose ist da letztlich überzeugend.

Die "Wachauer Marille" ist auch a potiori von der EU so geschützt worden.

In der Reblauszeit war die Marille willkommene Alternative zum Rebstock. Nach den Kriegsjahren wieder sehr gefragt, verpasste sie allerdings den modernen Anbau mit Verarbeitung und Export. Der Anbau blieb eher bescheiden.

Damals blickte man in das Donautal zur Blütezeit im April auf eine blaue Donau, rechts und links von einem weißen Blütenmeer der Marillenbäume begrenzt, in einer frisch-grün-flankierten Urlandschaft. Es wurde zum touristischen "Renner" zur Marillenblüte in die Wachau zu pilgern!

Eine konservative Sorte im Hoch!

Die k.u.k. "Ungarische Beste" war über Selektionen zur "Klosterneuburger Marille" verbessert worden. Sie hat dieses unheimlich schöne Aroma, welches bis in die Marmelade - nicht Konfitüre - bis in den Necktar und bis in den Edelbrand aus dieser Frucht wandert.

Andere Regionen widmeten sich dem Großanbau und den Marktbedürfnissen nach haltbaren Sorten. Nicht so die Wachau, hier zählt man auf "Ab Hof-Verkauf" und rasche Verarbeitung. Ein unschlagbar gutes Aroma am Frühstücksbrot ist der Lohn dafür.

Autokolonnen im Anmarsch!


Copyright Bild: Donau Niederösterreich / Lois Lammerhuber

Ab dem Marillenkirtag - 1951 wegen Absatzmangel erstmals veranstaltet - im Juli in Spitz bewegen sich wahre Volkerwanderungen in die Wachau, um von diesem Früchtchen etwas abzubekommen. An den Wochenenden sind Blockaden an der Wachaustraße geradezu unvermeidlich. Hir wird gefeilscht und um runde 3.- € ein Kilo Marille ergattert. Die schon erfahrenen und schlauen Genießer der Marille fahren in die Ortschaften und Gärten abseits der Hauptstraße oder haben schon ihren angestammten Obstbauern, wo man ohne Rummel diese Köstlichkeit um runde 2,2 € erhält.
Orientieren sollte man sich aber immer an der Bezeichnung "Original Wachauer Marille" denn nur so ist man sicher, dass man diese, und nicht gewöhnliche Marillen erhält!


Reifezeitpunkt und Qualität!

Im Osten der Wachau sind die Marillen früher reif, haben aber vermehrt das Problem der Spätfröste zur Blütezeit. Im Westen von Spitz nach Melk aufwärts sind die Reifezeiten etwas später und etwas (???) ertragssicherer.
Für heuer gilt, dass man in dieser Woche wenig, aber gute Qualität bekommen kann.
Ist man wirklich später dran, so kann man im Spitzer Graben bis Mühldorf auch noch nachher gute aromatische "Klosterneuburger" kaufen. Abseits vom Rummel entdeckt man dort auch so nebenbei die herrlich pittoreske Terassen-Landschaft der extremsten Weingärten der Wachau.

Marillenwanderweg!


 








Copyright Bild: Weinhof Aufreiter (www.weinhof.at)

Für die Gäste, die auch etwas Zeit und Muße haben, ist eine etappenweise Wanderung am "Genußweg der Wachauer Marille" zwischen Spitz, Gut am Steg, Vießling und Elsarn bis Mühldorf empfehlenswert. Ein umfassender, bestens organisierter Einblick in dieses Qualitätspanorama ist die Folge.
Neben dem Frischobst findet man natürlich auch die haltbarste Variante der Marille - der Edelobstbrand - hier. Am nahen Jauerling produziert man ebenfalls himmlischen Marillen-Nektar mit seiner natürlich bestechenden Aromatik. In den Hofläden bekommt man notabene die fertige Marillenmarmelade zum Mitnahmepreis und endlos interessante Rezepte rund um diese Edelfrucht.

Wahre Genießer sind eben aktiv und wissbegierig und eher im Spitzer Graben zu finden als in der Karibik.
 
(Auskünfte über dieses Projekt "Mari-Vino" erhält man unter 0676 549 43 66 oder bei den Tourismusbüros.)

Als Belohnung für den "erfolgreichen Besuch" dieser Westwachau kann man sich auch einen Abschlussheurigen mit weiteren kulinarischen Überraschungen geben.

Möglich, dass wir uns dort auch treffen. Dann können wir noch mehr darüber plaudern!


Mit freundlichem Gruß

Ing.(oeno.) Großinger Roland

 

Literaturhinweise

Semrad-Waldstein: Wachauer Marille. Leopold Stockerverlag
Schreiber, Robert: Marillen. AV Buch
Bachinger: Marillen Aprikosen. Agrarverlag
Dippelreither: Wachauer Marille. Pichler Sachbuch


Ihre Meinung

Marille immer gut!
Müller Veronika 27.07.2010 17:18
Nicht nur die Marmelade aus der Wachau, auch der Marillenbrand ist vortrefflich!
Noch besser mein Rezept:
Ein paar Tropfen Marillenbrand in ein Weinglas und einen neutralen guten Sekt drauf, dann geht die Marille wie aus einem Vulkan aus dem Glas. Nach 5 min. ist der Zauber draußen und vorbei und nur mehr Sekt im Glas! Das nenne ich: Wachauer Aperitif!
Atlas der Traubensorten, Weinpanorama



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