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Champagner


WARUM IST DER CHAMPAGNER SO BERÜHMT?

Weltweit kennt man "IHN" und kein Fest ohne "IHN" ist denkbar und seine manchmal exorbitant hohen Preise werden als gegeben hingenommen.


Copyright: APA OTS / Niko Formanek

Der oft hefig-sensorische Gaumen, manchmal auch biscuitartig, selten aber fruchtbetont, ist nur für eine eher kleine Liebhabergruppe das ausschlaggebende Kaufargument. Die wissen aber auch, aus welchen Champagnerhaus ihr Liebling kommen muss. Diese Freunde der traditionellen Markenqualität aus Frankreich schwelgen in Ihrem Faible für den Champus und ernten unter "Laien" darob auch ein hohes Ansehen. Diese wissen ja nicht warum man bei diesem Getränk aus dem Rahmen fallen sollte.

Es muss also noch etwas anderes sein, was diese regionale Spezialität so bekannt gemacht hat.

Da gibt es eine Vielzahl von Gründen, die diese Flaschen so trefflich am Verbrauchermarkt landen ließen.

1) HISTORISCHE MEILENSTEINE

Obwohl der "Sparkling Wine" in England zuallererst um 1667 von Sir George Etherege in England erwähnt wurde und dort als "schäumender Champagner" sehr beliebt war, begann man erst ab 1695 in Frankreich "absichtlich" solche Schäumer herzustellen. Allerdings dann mit voller oenologischer Entwicklung bei Technik und Ausstattung.

In Frankreich musste man noch auf passende Korken und exakte Glasflaschen warten, um eine nennenswerte Produktion zu starten. Die Grundweine waren schon da, aber der Mentor einer solchen Sache fehlte noch. Der taucht aber mit dem Klosterbruder DOM PERIGNON aus Hautvillers auf. Ein begnadeter Oenologe seiner Zeit mit dem Spürsinn für Weinbau, Leseart, Verschnitt und Keller-Technik.

Moet & Chandon möchte uns heute glauben machen, dass Perignon den Champus erfunden hat. Allerdings verbrachte er den Großteil seines kellerwirtschaftlichen Daseins mit der Verhinderung der (Nachgärungs-) Bläschen im Wein. Schlussendlich aber hatte er den Dreh heraus und perfektionierte die Methode, prickelnden Champagnerwein herzustellen. Der Siegeszug dieses neuen "Animators" nach der Enthefung (Degorgment) und damit die Herstellung von klarem, prickelnden Champagner ward nicht mehr aufzuhalten. Zur Jahrtausendwende 99/00 verbuchte man Rekordverkäufe.

Und so ist das die Geschichte, die "märchenhaft" im Marketing in Frankreich eingesetzt wird. "Brüder, kommt, ich glaub`ich trinke Sterne"  ist halt ein "legendenhafter Sager", den man sich leicht merkt!

Mit dem fast schon vergessenen "Champagner-Aufstand" haben aber die Weinbauern dort in den Jahren 1910/1911 sehr deutlich Partei für Ihr Produkt ergriffen. Von der Rebluskathastrophe noch gebeutelt, gab es quantitative Probleme mit der Versorgung des Marktes. Manche Handelshäuser verwendeten daher Grundwein auch von anderswo für den Champagner. In Ay ausgehend organisierte sich daher eine massive Protestbewegung, sodass das Militär mit 31 Schwadronen und 26 Kompanien einschreiten musste.

Als Ergebnis konnte eine geschützte Herkunftsbezeichnung erreicht werden. Dies wirkt sich europaweit und nun auch bis in die USA aus: Champagner darf nur aus der definierten Region stammen. "Champagner" am Etikett ersetzt das AC. Und alle Welt weiß das! (Nur in AUS und NZ ist das noch nicht so ganz durchgedrungen)

2) DIE METHODE CHAMPENOISE

Als sehr aufwendige, aber immer qualitätsorientierte Methode - sie darf nur so in der Champagner genannt werden -wird sehr traditionell in vielen Einzelschritten produziert.
Die durchgezogene Flaschengärung ist das Einheits-Credo der Champuswinzer, egal ob Groß- oder Kleinbetrieb. Gerütteltes und nicht Filtriertes kann man hier vertrauensvoll den Erzeugern abkaufen. Die ausgeprägte Hefeautolyse bei einer bewusst lange dauernden Lagerung ist Schutz und gleichzeitig sensorisches Kennzeichen vom klassischen Champagner gegenüber den technisch optimierten "Schnellsekten" anderer Regionen. Da fehlt die "Tradition" in der Flasche.
Auch die "Süßegrade" nach der Liceurzugabe sind eine - oft irrtümlich begrifflich - französische Erfindung, aber eben jetzt für alle gleich!

An diesem allgemein großem Aufwand ist auch der Preis grosso modo angemessen.

3) KEINE SCANDALE BEIM CHAMPUS

Wie auch beim bestens kontrolliertem Portwein gab es beim Champus keinen "Weinscandal". Das schafft Vertrauen beim Genießer echter Qualität und Herkunft. Hohe Preise fordern eben aufwendige, wirksame Kontrollmechanismen am Produkt.

4) GELEBTE ANWENDUNG

Die Franzosen lieben den Umgang mit Wein- und Champagner zum Essen. Man zelebriert diese Menüs und experimentiert gerne im Zauberreich der Kulinarik. Die Vielfalt der Produkte ist geradezu prädestiniert für ein Gaumenerlebnis zwischen Teller und Glas! Eben wie "Gott in Frankreich".....

5) CHAMPAGNER MUSS MAN STUDIEREN

So wie die Produktion sich eher kompliziert anhört, muss man sich zum wirklichen Genuss vorkämpfen durch Kenntnis der Erzeugung, der Herkunft und der Hausrezeptur der Qualitäten. Um und Auf sind da weniger der Jahrgang - zwar wichtig für die Jahrgangsbeurteilung, aber meist handelt es sich ja um assemblierte Grund-Weine - sondern das Degorgier-Datum und die Hefelagerzeit. Denn aus einem Jahrgangschapus kann man mit z.B. mehreren Degorgierdatums - d.h. verschieden lange Hefelagerung - auch mehrere Qualitätsprofile erhalten. Wenn ich meinen besonderen Klassiker haben möchte, muss ich eben nach dem Degorgierdatum kaufen.

Legendär ist auch das Geheimnis der "Mousse"! Die ist beim Champagner von sensorisch schönster Feinheit und Dauerhaftigkeit. Stört nicht am Gaumen, sondern bereichert das Kulinarik-Reglement, aber halt anders als bei Wein!

Kleiner Tipp: Kaufen Sie sich eine Flasche mit dem Degorgierdatum Ihres Geburtstages!

Die Suche danach wird nicht einfach sein, aber ein besonderer Kulinarikspaß ist das allemal!


Copyright: Rainer Sturm / pixelio.de


Nun, sind Sie jetzt ein Freund der prickelnden Schäumer aus der Champagne?

Sollte es aussichtslos sein, kann man auch im heimischen Sektbereich nach gleichartig hergestellten Kreszenzen suchen und fündig werden.

Wünsche ein fröhliches, sommerliches Experimentieren mit den Top-Schäumern aus den Händen von Könnern dieser tradierten Hochkultur!

 
Mit prickelndem Gruß

Ing.(oeno.) Großinger Roland

 

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