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Die Urdonau

Wer voriges Wochenende in der Wachau weilte, der konnte bei schönstem Herbstwetter ein tolles Fest im Spitzer Graben erleben. Alle haben an einem "Strang" gezogen und so zum Gelingen dieses kulinarischen Landschaftserlebnisses beigetragen. Seit 2008 wird das mit mehr und mehr Vielseitigkeit bei steigender Popularität veranstaltet.

Was ist nun diese "URDONAU"?

Man kann den heutigen, niedlichen Spitzerbach - er kann auch manchmal seine Urkraft zeigen - auf der Straße von Spitz nach Mühldorf begleiten. Der war vor dem nunmehrigen Donaustrom der erste Fluss in dieser Region. Erst veränderte geologisch-tektonische Verhältnisse brachten die Entwässerung bis Bayern und Schweiz.

Diese Region - sehr vereinfacht Spitzer Graben genannt - hat aber viel an Eigenständigkeit zu bieten. Es ist auf jeden Fall von einem eigenen Terroir zu sprechen. Das Klima ist hier donauabgewandt etwas kühler und später als in der Ostwachau. Das aber bringt bezüglich Aromatik und lebendiger Säure entscheidende Vorteile. Ein Riesling von der Riede Bruck oder vom Trenning aus einem guten Weinjahr sind Hochgewächse besonderer Art.

Auch die Riedengeographie ist hier sehr reich gegliedert und mit vielen "sprechenden Namen" bestückt. Vom "Setzberg" über den "Zornberg" geht es über den "Vogelleitengupf" (Fackelhanghöhe) zur Riede Schön und weiter zur "Bruck" bis zur höchsten Riede Niederösterreichs - den Trenning -  bis man endlich in Mühldorf ankommt. Alles über einen "MARIVINO"- und "Welterbesteig erwanderbar. Mühelos gelangt man entlang der "Lebenslinien" (Hoch-Terassen) zu den schönsten Winkeln dieser unbekannten Westwachau. Gut am Steg, Vießling und Elsarn haben noch die Winzer, die diese Extrem-Hoch-Lagen bearbeiten. Öfters wähnt man sich in einer chinesischen "Reisterassenlandschaft", so ausgesetzt ist hier der Weinbau.

So klein der Spitzer Graben auch sein mag, geologisch zeigt er einen erstaunlich vielfältigen Fundus. Mit Urgestein alleine kann man dies nicht mehr beschreiben. Neben "Spitzer Granodioritgneis" findet man auch häufig den Silikatmarmor (Laaben, Gut am Steg, Vießling bis Mühldorf), der in der Ostwachau fehlt. Einige "Streifen" von Amphibolit kann man auch am Zornberg und der Vogelleiten ("Dunkelsteine") entdecken. Sie ergeben eine eigene, mineralstoffreiche    Terroirnote im Wein.
In Vießling und Elsarn dominieren Paragneise und Quarzit. Irgendwie erscheint Mühldorf als geologischer Löß- und Lehmkessel mit "Älteren Melker Sanden" (die Urzeit läßt grüßen!) Der Trenning wiederum - die Parade-Berglage hier -
hat geologisch-verwitterungsmäßig von allem was zu bieten: Quarzit, Marmor, Amphibolit, Paragneis und rundum Graphitlassen. Noch weiter drinnen (bei Povat) zeugen Schuttfächer und Blockschutt von dieser "Urdonau".

Der Wanderer kann diese Geologievielfalt einfach an den Trockenmauern ablesen. Riedenweise vinifiziert sollte man auch dies noch im Wein unterscheiden können. Aber das ist eine andere Sache.

Viele Kleinwinzer neben schon etablierten Hauern sorgen für die eigenen Weine mit dem Terroir der Urdonau. Namen wie Stierschneider, die vielen Gritsch'es im Graben, die Högels und Großingers, der Bioprophet Traustaller und viele mehr bieten genau diesen "heimatbezogenen Gaumen" in Ihren flüssigen Urgesteins-Gewächsen! Selbstverständlich erhält man auch die bekannten Wachauer Kategorienweine (Steinfeder, Federspiel und Smaragd, die Spiegelbilder der Weingärten hier). Neben Grünem Veltliner, Riesling und vereinzelt noch Müller-Thurgau, allesamt hervorragend, darf man aber den hier 1860 zufällig am Donauufer vorbeigeschwemmten "Neuburger" nicht vergessen zu kosten. Leider des Öfteren in der Blüte "sexuell frustriert", bleibt Ertrag und Ertne nicht nur "kaufmännisch" aus. Auch eine neue unbekannte Krankheit bereitet den Winzern bei dieser Sorte viele Sorgen: die Kurztriebigkeit. 

Als Kind der Reblauskatastrophe hat hier ein Einwanderer auch Fuß gefasst: die Marille. Eine sehr anspruchsvolle "Dame", besonders im Frühjahr zur Blüte. Falls "Sie" in der Donauwachau schon blüht und den Spätfrösten zum Opfer fällt, hat man hier einen kleinen, verspäteten "Vorteil" eines verzögerten Austriebs und damit die Chance doch zu einer Ernte dieses Edelobstes. Die kühlen Nächte vor der Reife verpassen diesem Früchtchen (auch den Trauben!) ein einmalig einzigartiges Duftprofil. Dies geht bis in die Marmelade und in den Edelbrand hinüber.

Eine bemerkenswerte Gastronomie von Spitz weg bis nach Vießling, Elsarn und Mühldorf sorgt auch für das bodenständige Gaumenerlebnis, das man als Reisender unbedingt genießen muss!
Gerade die Grabenweine sind hervorragende Speisenbegleiter und peppen ein Gastro-Mittagsmahl hoch. Auch zur deftigen Heurigenjause passen sie bestens. So beibt auch ein Heurigenbesuch als einzigartiges Dual-Erlebnis im Gedächtnis haften.

Kulturhistorisch ist diese Gegend auch mit Besonderheiten gesegnet. Auf der Burg Ranna kann man eine "urromaische Krypta" mit sehr interessanten Säulenkapitels besuchen. Altkeltisch oder doch schon christlich, man kann vieles deuten.
In Mühldorf steht die älteste Raiffeisenkasse Österreichs (1888 gegr.) mit dem frühen Segen dieses sozialen Gedankens. Alte Winzerhöfe noch aus der Zeit der geschlossenen Hauswirtschaft kann man in Gut am Steg bewundern. In Vießling gibt es das Gegenteil: moderne Winzerhöfe mit Panorama-Präsentationsraum. Kost-Erlebnis der Terassenlandschaft sozusagen inbegriffen. Die frühgotischen Aposteln am Chorgewölbe in der Spitzer Pfarrkirche sind einzigartig in der Ausführung und Schönheit und schon deshalb einen Besuch ohne der heute üblichen Hast wert.

DENKT MAN ÜBER DIESE REGION ETWAS MEHR NACH, SO KOMMT EINEM UNWEIGERLICH IN DEN SINN, DER SPITZER GRABEN MIT SEINEN QUALITÄTEN WÄRE EIGENTLICH EINE EIGENE, NEUE WEINREGION IN ÖSTERREICHS WEINLANDSCHAFT.
VON MIR IST DAS ALS KOMPLIMENT ZU VERSTEHEN, DURCHSETZEN MÜSSEN DAS DIE REGIONALPOLITIKER!

Mit freundlichem Gruß

Ing.(oeno.) Großinger Roland


 


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