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Oenologenstatements
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Die steirischen Weinritter im heiligen Land der Smaragde
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Bericht von Judex de Vino Ing. oen. Roland Großinger als Organisator dieser Exkursion

 

„KREUZZUG DER STEIRISCHEN WEINRITTER INS HEILIGE LAND DER SMARAGDE“

 

Am 4.6.2011 war es soweit, ein Troß steirischer Weinritter zog mit ihren Benzin und Dieselrössern gen Wachowia. Es galt die Einzelrieden an der Donau organoleptisch zu erobern. Strategisch gesehen geht man hier umsichtig von einer „Zille“ aus vor. Hier sieht, hört und genießt man einfach alles im „Vorbeifahren“, was diese Tallandschaft zu bieten hat.

 

Die steirischen (biblischen) Kundschafter unter dem oenologischen Ortskundigen

Roland traf sich in der „Steirischen Botschaft“ bei Hospes Stockinger in

Dürnstein am frühen Vormittag zu einer sensorischen Vorbesprechung mit den

hervorragenden Gutsweinen von Peter im Gastgarten bei schönstem Wetter.

 

    

 

Auftakt mit Federspiel, danach die Golftrophäen „Birdies“, die Peter sozusagen gleich im 18. Loch landen konnte. Klar waren dies die GV`s und Rieslinge seiner Rieden. Allesamt trotz schwierigen Jahrganges von überzeugender Klarheit, treffsicherer Sortentypizität und begeisternder Kategorieneinmaligkeit seiner Steinfedern, Federspiele und Smaragde. Diese Weine müssen ohne oenologische Kosmetik ihre Natur so herzeigen, wie das Jahr sie eben hergibt! Die Krönung seiner Kunst war dann auch ein Riesling Smaragd, dem man allgemein und insbesondere von „steirischer Kostbrüderseite“ gerne Lob zollte.

 

 

Trotz Terminknappheit widmete Peter uns die ganze Verweilzeit unserer „Truppe“,

was wir dankbar annahmen. Als ritterliche Freunde empfangen, ließ sich Peter

auch die Verkostungsweine nicht bezahlen, was so nicht selbstverständlich

ist. Wir danken deshalb sehr herzlich. In der Hoffnung, dass uns Peter mit seiner lieben Frau wieder mal bei einer Tafelrunde in der Steiermark besuchen

wird, zogen wir ungewiß des kommenden Abenteuers gegen Weißkirchen weiter.

 

  

     

 

Dort war für uns im Gastgarten des Topgastronomen Hainzle – ein Beute-Vorarlberger der netten, sympatischen Wirtin – für die Mittagstafelrunde gedeckt.

Und das glatt neben der Donau. Manchen unerfahren „Landratten“ wurde nun die Größe des Flusses bewußt. Gedanklich vertrauten wir uns vornweg einem Großdampfer für das nachmittägliche „In FlußStechen“ an. Bevor es aber wirklich gefährlich wird, werden wir noch mal „a la card“ zulangen. Ein Glas Sekt vom GV aus Jameks Rieden wurde uns zur Begrüßung zuteil. Danach

genossen wir die Kochkünste des Wirten und das charmante Service der

Wirtin. Essen und Weine wurden individuell gewählt.

 

 

    

 

Ein Einkaufsbummel in den „Salzstadeln“ fiel der Zeitnot zum Opfer. Wir sollten ja pünktlich in Spitz bei der Brandner Anlegestelle sein. Wir waren überpünktlich, daher konnten wir noch geparktes „Kleinzeug“, wie eine BMW Isetta, ein  Messerschmid„ Auto“ ein Gogo und weitere „Urzeitfahrzeugl“ bewundern. Schöne, alte „Mobilitäten“ würden die Kuenringer Ritter sagen.

 

 

Und dann schon sichtbar, unsere Zille kommt. Klein wie ein Stecknadelkopf im

Westen bei Schwallenbach sichtbar. Hier schwanden die letzten Hoffnungen,

diesen Tag eventuell doch noch zu überleben. Ein mutiger Kollege formulierte es

so: „Da passen wir aber nicht alle rein!“ Wir haben „gepaßt"! Etwas wackelig schon, aber doch: Kreuzfahrereien sind ja nie bequem! Fragt nur den König Löwenherz!

 

 

    

 

Nauführer Wolfgang hat uns freundlich begrüßt und ab ging die „Donaupost“.

Zuerst mal donauaufwärts, um die Teufelsmauer zu sehen und um einen Blick in

den Spitzer Graben zu werfen, der eigentlichen „Urdonau“. Im Blick da hinein verkosteten wir einen Donabaum Hans vom gerade noch sichtbaren Zornberg. Die Urdonau als Bächlein ist aber nicht schiffbar, also fuhren wir weiter gen Osten.

 

Erste sensorische Station war der Spitzer „1000-Eimer-Berg“. Treffend konnten wir den Geburtsplatz der Neuburgerrebe als Federspiel 2010 vom Neuburgerspezialisten Gebetsberger verkosten. Geologisch Urgestein, perfekt ausgerichtete Südlage und wegen der Trockenheit ideal für Neuburger geeignet

gewesen. Denn heute wird bewässert und der Neuburger zeigt gewisse Selektionsprobleme (BonsaiKümmerwuchs). Den folgenden „Singerriedel“ sparten wir uns als Krönung bei der Rückfahrt auf.

 

 

Weiter gings an St. Michael – der Urpfarre der Wachau aus 742 – vorbei – nach Weißenkirchen. Hier schon sehr schön die Lößwände in Wösendorf zu sehen. Anwehungen von zwischeneiszeitlichem pannonischen „Staub“, meist abgelagert

an den Osthängen durch die „Windbremsen“ der Weinberge. Ein völlig anderes

Terroir, wie wir gleich sehen konnten, beim Verkosten eines GV Federspieles

vom Vorderseiberer, der Brücke zum Waldviertel. Zottl, ein hervorragender

Weinmacher zeigt dabei sein Können.

 

 

Dann der schöne Blick auf die Wehrkirche Weißenkirchen, aus der unseligen

Türkenbelagerungszeit. Dann aber gewinnt wieder das Urgestein oberhand, die

noble Achleiten – eine Paraderiede der Wachau – zeigt seine Mächtigkeit. Begrenzt am Waldrand nach oben durch die schroffen „Gföhler Gneis Felsen“

wurde dieser wertvolle Weinberg wie ein „Clos“ mauerhaft eingefriedet. Sichtbar

noch das monumentale „Eingangstor“. Die unteren Terrassen zeigen auch den

dunkleren „Amphibolith“, als Verwitterungsboden ein erkennbares anderes Weinterroir: das legendäre „Achleitner Stinkerl“. Die angeschlossene „Riede Klaus“, ist eine alte Marke aus dem Hause Jamek. Ein GV Federspiel eben daraus zeigt schon die Qualität dieser Berglage und den kommenden östlichen, pannonischen Einfluß!

 

 

Vorbei an den „Frohngärten“ (Clarissinen Frauengärten) der Donaukurve sehen

wir vor uns die Kulisse der Burgstadt Dürnstein. Schön sichtbar die befestigten Weingärten innerhalb der Stadtmauer mit der Krönung obenauf, der Burgruine Dürnstein. Angeblich saß hier der der englische König Richard Löwenherz, bis ihn der Sänger Blondel befreien konnte. Östlich von Dürnstein liegt die „Riede Kellerberg“, der teuerste Weinboden der Wachau. FX.Pichler wurde damit berühmt und daher ausverkauft. Alternativ davon verkosteten

wir ein Federspiel Kellerberg vom „LoaberlStar“ Schmidl, der „Hochhöfischen Bäckerei“ für die berühmten Weinbegleiter aus Weißbrot, die wir natürlich an Bord hatten.

 

 

Noch sichtbar das Kellerschlößl, ein Prantauerbauwerk für die genießenden Äbte

des Stiftes Dürnstein. Uns zeigt sich nun die gewaltige Großriede „Loibenberg“

am Ostende der Wachau vor Krems. Hier kauft man „Knolls“, aber die sind auch

ausverkauft. Also schließen wir die Riedenkost mit einem Smaragd dieser Lage.

Gewaltig vollmundig und schon deutlicher kraftvoll als die Westwachauer.

 

 

Kurz gelandet am Bootssteg in Dürnstein platzen wir in eine „Schiffshochzeit“ an Bord der Prinzeß. War wohl ein Promi, da auch der ORF dabei war. Die Braut war jedenfalls sehr hübsch!

 

 

 

Also zurück zur Naufahrt bergauf in unserer „Holzschale“! Nochmals alles vorbeiziehen lassen

mit 50 PS an der Schraube. Inzwischen bekommt Nauführer Wolfgang eine Sturmwarnung und gibt Vollgas (Stürmischer Wellengang kann sehr unangenehm werden auf der Donau!).

 

 

 

 

Wieder vor Spitz genießen wir einen allerletzten Kostschluck im Boot. Den auch ausverkauften „Singerriedel von Hirtzberger, Riesling Smaragd 2010“. Frau Hirtzberger hat uns eine Flasche davon gespendet. War wirklich was Besonderes: hochfärbigeres Gelb, feine Rieslingaromatik, kraftstrotzender Gaumen, harmonische Ausgewogenheit hoher Extraktwerte und langschlängelnder Schweif im Abgang! (Bei Weinhandel Auer in Raaba/Graz liegen noch einige Flaschen davon zum Flaschenpreis € 70,00!!!)

 

Wie von Antialkoholikern gesteuert, wurden wir knapp vor unserer Landung in

Spitz von einem „AFWasserregen“ überrascht und begossen. Rasch vom Nauführer mit einem treffenden „NAUHOI“ verabschiedet, ins Auto zurück und zum

Abschlußheurigen.

 

      

 

Heurige gibt es viele, aber einzigartig ist das Können der Fam. Hofstätter auf

der Quitten bezüglich der NeuburgerKategorien. Für den gestandenen Steirer  wahrscheinlich nicht so trefflich, aber man kann seinen Kindeskindern noch später erzählen, man hat in Spitz noch den Neuburger verkosten können. Für den Insider sind diese Weine aber vom Allerfeinsten, was man aus dieser Sorte, dem Terroir und dem Jahr 2010 machen konnte.

 

Zur Auflockerung las Veronika Großinger aus Ihren Gedichten über Wein, Wachau und Winzerschicksale. Launig, lustig aber auch Tiefsinniges kam da aus Ihren Zeilen. Ein gekonnt kultureller Tagesbeitrag für unsere Weinreise. Eine Woche

vorher konnte Frau Großinger in Elba den Europäischen Literaturpreis für die Haiku Dichtung entgegennehmen, inklusive einer Urlaubswoche dort (Wäre ja mal eine Idee bei einer Tafelrunde eine Lesung von Weingedichten mit Veronika zu veranstalten!).

 

Somit endete dieser Tag nach Trocknung der Kleider mit Wohlgefallen und die

Verabschiedung begann. Hoffentlich mit guten Erinnerungen.

 

mlg

Roland

Alter Zillenfahrer auf der Donau


Ihre Meinung

Topgastronomen Hainzle
DACDAC 17.08.2011 09:55

oder ist da www.heinzle.at gemeint?
Atlas der Traubensorten, Weinpanorama



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